Mittwoch, 16. Mai 2007

Weder Hund noch Schwein – der Feind der Federn

..

Es ist was faul im Staate. Die Edelfedern haben bereits zu lange geschwiegen. Gelegentlich erwacht ihr Geist zum Leben, wenn sich zäher Gedankenbrei, durch edles Gebräu aus steinernen Krügen beflügelt, in spritzige Ideen verwandelt, die großspurig, mitunter prahlerisch in den Ring geworfen werden. In diesen Momenten voller Begeisterung und Hingabe leuchten die Federn. Und doch bleibt das Papier weiß. So weiß, dass es droht seine stille Kraft zu verlieren.


Die Schuld an diesem Ungemach bei anderen zu suchen entspräche nicht dem Selbstverständnis der Edelfedern. Gewiss, schon den inneren Schweinehund zu überwinden kostet Kraft. Doch der wahre Saboteur hat mächtigere Pendel. Ist nicht jede schriftliche Spitze, ungeschliffen und scharf, ein kleiner Klaps in ebendiese? Ich denke, da sind wir d'accord.


Federmichl


Mittwoch, 28. März 2007

Mensch sein war gestern – Idee einer Gattungscamouflage

.
So, ihr müden Federn! Das grenzt hier ja an ein Geisterhaus!! Damit mal wieder etwas Leben in diese triste Stube kommt, gebe ich den neuerlichen Auftakt für edle Ergüsse. Hatte den Text schon ne ganze Weile in der Pipeline und denke, dass es jetzt an der Zeit ist, wieder tätig zu werden! Überwindet euch, ihr Geschundenen des Prekariats und lasset eure Geisteskraft nicht unterjochen vom Dikat der ausbeuterischen Medienhäuser! Die edle Feder stirbt zuletzt.


Dazugehören zu wollen, ist menschlich. Orientierungspunkte geben Halt, ein Netz, Identifikation. Rudeltier Mensch. Vermeintlich Gleiches sammelt sich, man ist nicht allein. Stört die Zugehörigkeit, so gibt es oft ein letztes Mittel, der einstmaligen Verbrüderung zu entkommen: Den Austritt.

Doch was passiert, wenn man sich fragt, ob die eigene Spezies überhaupt geeignet ist, angemessenen Raum für das eigene Selbst zu bieten? Ein Austritt aus der Gattung „Mensch“?

Dass mich gerade ein Mann der Kirche, ein Bischof, auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht hat, ist interessant – beinahe ironisch. Der Herr Bischof sorgte im Rahmen eines Vortrages mit dieser – für ihn rhetorischen Frage – für gehörige Lacher bei seinem Publikum. Auch bei mir, doch hallt der Kern der Frage nach. Was definiert mein Menschsein?

Schaue ich mich um, so sehe ich oftmals: Geistig auf Klingeltöne und Sonnenstudio Degenerierte - Auto, Sex und Essen als göttliche Dreifaltigkeit. Clevere Akademiker, die mit ihrem Wissen hausieren gehen, sich ständig produzieren statt zu reflektieren und in ekelhafter Selbstdarstellung der geistigen Onanie hingeben. Jünger des Geldes - Anzug, Schampus und Rolex verdecken den kritischen Blick auf ihr nacktes Ich. Ignorante „schöne“ Egoisten, die in ihrer Oberflächlichkeit meinen, sie seien auf ewig der Mittelpunkt alles Schaffens, das Ziel aller Blicke - und doch nur einen Wimpernschlag von Alter, Vergessen, Verfall und Asche entfernt sind. Viele mehr, deren weitere Klassifizierung mich nur deprimiert, diverse Verquickungen und Überlagerungen, die mir Übelkeit abnötigende Bastardierungen hervorbringen. All dies eine, meine Gattung?

Sicher, die Zugehörigkeit zu einer Gattung richtet sich nach gewissen physischen Merkmalen, das definiert die Biologie. So war es immer. Doch warum muss hier die biologische Sicht die einzig wahre sein? Die Liebe kann einerseits auch wissenschaftlich definiert werden: Reize führen in menschlichen Organismus zu chemischen Prozessen, die das Herz schneller schlagen lassen, gewisse hormongesteuerte Gefühle produzieren etc. Doch kann man Liebe andererseits vielleicht nicht auch dadurch definieren und erfahren, indem man schlichtweg ein Gedicht liest? So sagte es jedenfalls der Herr Bischof. Sich einer Sache also nicht dogmatisch vom rein wissenschaftlichen Aspekt nähern, sondern auch andere Definitionsmöglichkeiten in Betracht ziehen. Warum also nicht dem Empfinden Vorrang einräumen gegenüber biologischen Klassifizierungen und gattungsgeschichtlicher Einengung?

Gut - warum nicht der Biologie zum Trotz fortan einfach „Gensch“ sein? Eine Art Seitenarm in der Linie des Homo Sapiens. So stellt sich natürlich die Frage, ob man dadurch auch allerlei menschlichen Bestimmungen entschwinden kann. Reglementierungen und Normen, die eben für Menschen gemacht wurden – aber nicht für Genschen. Überall, wo der Mensch angesprochen wird, heißt es nun: „Tut mir leid, nicht für mich. Ich bin voll und ganz Gensch.“ Ist menschenunwürdig auch gleich genschenunwürdig – wohl nicht. Konflikte entstehen. Die menschliche Würde ist laut Artikel 1 Grundgesetz unantastbar. Doch nicht die des Genschen, man wäre vogel- und verfassungsfrei. Homo homini lupus est: Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf – das wussten bereits die alten Römer. Doch was gilt für Genschen? Der Gensch ist dem Gensch ein Wolff? Kompliziert. Unzählige Beispiele ließen sich fortsetzen. Man müsste wohl der gesamten Gesellschaft den Rücken kehren, ein Eremitendasein führen und sich abgeschieden seines genschlichen Lebens erfreuen.

Das will ich aber auch nicht.

So bleibe ich des Friedens Willen eben nach außen weiterhin Mensch, doch innerlich habe ich die Wende zum Gensch vollzogen – Gattungscamouflage.

In meinem Innern könnte ich ungestört versuchen, mich als Gensch fortzuentwickeln, mich noch deutlicher von den Menschen abzusondern. Noch genschlicher werden, ein Genscher… Aber den gibt es ja schon. Alles Gute zum Achtzigsten, Genschman – wir verstehen uns.


Kloppo der Gefiederte

Donnerstag, 18. Januar 2007

Das Unwort des Monats Januar

.
.

Das Edelfeder-Unwort des Monats Januar:


Personenversenkungsklappe


Ob im Theater oder auf der Bühne des wahren Lebens, wo selbige, wie im Irak, zur Durchführung von Hinrichtungen, die eine nicht enden wollende Tragödie in der Geschichte der Menschheit sind, eingesetzt werden – Personenversenkungsklappen sind keine humanitäre Katastrophe, sie sind inhuman.


Federmichl


Montag, 15. Januar 2007

Heute gestehe ich: Ich bin ein Monster!

.
.

Natürlich bin ich, um dieses Missverständnis ein für alle Mal aus der Welt zu räumen, keiner dieser haarigen, glibberigen und furchterregenden Ungetüme, die im heimischen TV-Programm im Einsatz in vier Wänden sind oder in komödiantischen Rateshows penetrant nervend und mit keifender Stimme ständig ihr pseudogenialdanebenes Wissen zum Besten geben müssen und auch keiner dieser hirnlosen und hirnfressenden Gestalten, die ihr Dasein in widerwärtigen Killerspielen fristen und schon gar nicht irgendwelche Internetportale, die vollmündig Jobs bei Brause GmbH & Co. KG versprechen, sondern eher ein sprachliches Ungetüm, dass sich mit Vorliebe immer wieder in die Texte ahnungsloser Journalisten schleicht, wo es unbemerkt sein Unheil anrichtet, was sich in Form von schlechter Lesbarkeit und hin und wieder in schlechten Noten hoch motivierter Journalismusstudenten bemerkbar macht und selbst Edelfedern, deren geschriebenes Wort als reinstes und stilvollstes Mittel der menschlichen Ausdrucksform gilt, sind nicht vor mir, dessen Erscheinen häufig nicht mehr nachvollziehen lässt, wie vorher und nachher zusammenhängen und was den Nikolaus von einem Nikolaus, der Blicke leuchtender Kinderaugen auf nach Lebkuchen duftenden Märkten auf sich zieht, unterscheidet, gefeit.


Häuptling Federleser


Montag, 8. Januar 2007

"Brause ist ein Schwätzer"

.

Das Edelfeder-Selbstgespräch


Graph Feder, Mitbegründer der Edelfedern, in einem Autointerview über seine publizistische Pause, die Belanglosigkeit in den westlichen Gesellschaften und das Zerwürfnis der Edelfedern mit dem Universalgelehrten Wilhelm „Wodka“ Brause.


Graph Feder, leben Totgesagte eigentlich länger?


Feder: Sie wollen doch nicht etwa auf meine publizistische Pause anspielen? Dann bitte nicht in dieser abgedroschenen Art und Weise.


Man sagt Ihnen ja in bestimmten Dingen eine gewisse Langsamkeit nach. Immerhin haben es Kloppo der Gefiederte und Federmichl in den vergangenen zwei Wochen geschafft, Beiträge zu verfassen. Leiden Sie unter einer Schreibblockade?


Feder: Nun, den ersten Satz werde ich an dieser Stelle sicher nicht kommentieren. Was meine Kollegen angeht, die übrigens hervorragende Beiträge geleistet haben, so dürfen Sie zwei Dinge nicht vergessen: Erstens hat Kloppo der Gefiederte wochenlang keine Möglichkeit gehabt, seine geistigen Ideen zu Papier zu bringen – die Gründe sind ja hinlänglich bekannt – und strotzte förmlich vor Tatendrang...


...und Zweitens...


Feder: ...hat sich Federmichl in den Ferien von völliger Ruhe und Einsamkeit der Schweizer Berge inspirieren lassen und seinen Kopf von allen Blindplatten befreit.


Was noch immer nicht ihre Nachlässigkeit erklärt.


Feder: Fällt Ihnen etwas auf, wenn Sie sich hier umschauen?


Sie wollen doch nur ablenken. Bitte beantworten Sie jetzt meine Frage.


Feder: Jetzt hören Sie schon auf mit dem gestelzten Firlefanz, den Sie in irgendeinem Hörsaal aufgeschnappt haben. Also: Fällt Ihnen etwas auf, wenn Sie sich hier umschauen?


Nun, es sieht sehr aufgeräumt aus in Ihrem Arbeitszimmer. Keine Papiere auf dem Schreibtisch, keine aufgeschlagenen Bücher und man wäre fast geneigt, vom Boden zu essen. In Anlehnung an Ihren ersten Beitrag schließe ich, dass Sie in den zwei Wochen ihre Dokumente geordnet haben.


Feder: Das steht hier nicht zur Debatte. Was haben Sie denn in den zwei Wochen gemacht?


Ich bereite mich derzeit auf einen Artikel vor, in dem ich mich mit der Belanglosigkeit in den westlichen Gesellschaften auseinandersetze.


Feder: Können Sie mehr darüber erzählen?


Anknüpfen möchte ich dabei an den Beitrag von Kloppe dem Gefiederten, der mit dem Versuch einer Gesellschaftskritik das Themenspektrum der Edelfedern zu erweitern gedachte. Die Menschen in der heutigen Gesellschaft haben keinen Idealismus mehr, nichts, wofür sie kämpfen. Stattdessen stecken sie ihre Energie lieber in Diskussionen im Studiverzeichnis, sie schauen lieber sinnlose Videos bei YouTube an und gehen beispielsweise auch nicht zu Demonstrationen gegen Studiengebühren. Sehen Sie das ähnlich?


Feder: Die Jugend von heute hat statt Religion nur noch Sex und Handytarife im Sinn. Politische Diskussionen und spannende Debatten gibt es leider viel zu selten.


So wie die leicht polemische Auseinandersetzung mit dem Universalgelehrten Wilhelm Brause. Hat Brause Ihrer Meinung nach noch Ideale?


Feder: Brause ist ein Schwätzer, der seine Emotionen nicht immer unter Kontrolle hat. Schön und gut, Brause sitzt in einflussreichen Positionen, aber genau dieser Plural (Positionen!) ist der Punkt. Wer kann schon die Drohungen von jemandem ernst nehmen, der in einer Woche noch Professor, in der nächsten aber Vorsitzender des Flachdachverbandes ist. Wo ist da bitte der Idealismus.


Sie glauben also nicht, dass Brause dem Ruf auf den Lehrstuhl für PR in Mainz folgen wird?


Feder: Ganz im Gegenteil: Brause wird sicherlich die Professur annehmen, aber danach verschwinden, um Tage später als Kolumnenschreiber des Kölner Stadt-Anzeigers oder als Kassenwart des Taubenzüchtervereins wieder aufzutauchen. Nur eines ist sicher: Für die Edelfedern schreiben wird er nicht.


Graph Feder, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.



Graph Feder
.

Samstag, 6. Januar 2007

„Man nannte mich Wodka-Brause“

..

Das Edelfeder-Gespräch

Wilhelm Brause, fiktiver Universalgelehrter und Tollpatsch vom Dienst, über sein Leben als Lückenbüßer, Eckenbrüller, und die Schwierigkeit, zu sich selbst zu finden.

Edelfedern: Herr Brause, warum haben Sie sich eigentlich noch nicht umgebracht?

Brause: Es stimmt, ich stand kurz davor, dem Ganzen ein Ende zu setzen. Immer, wenn ein irgendwo nach einem Schuldigen gesucht wurde und eine Sekunde Ruhe herrschte, konnte ich sicher sein, dass in der nächsten mein Name fallen würde. Wer hat’s verbockt? Na klar, der Brause. Auf Dauer hält das kein Mensch aus. Man steht unter unwahrscheinlichem Druck. Da wäre sogar der Kohl geplatzt.

Edelfedern: Es heißt, sie versuchten diesen Druck mit Alkohol und Drogen zu kompensieren.

Brause: Das ist ein trauriges Kapitel. Wer von allen Seiten als Flasche hingestellt wird, greift auch schnell zur selbigen. Mein Spitzname in der Szene war Wodka-Brause. Unter Alkoholeinfluss fühlte ich mich stark, ich rief meine Widersacher an, wollte sie zur Rede stellen, doch die meisten haben aufgelegt, sobald ich meinen Namen nannte. Wie würden Sie sich da fühlen?

Edelfedern: Das steht hier nicht zur Debatte.

Brause: Und ob das zur Debatte steht! Ständig werde ich mit meinen Problemen alleine gelassen, statt Verständnis schenkt man mir nur ein müdes Lächeln. Wenn überhaupt. Man weicht mir aus! Ich mag in aller Munde sein, doch im wahren Leben stehe ich alleine da.

Edelfedern: Wie erklären Sie sich, dass Ihr Name zum Lückenbüßer wurde?

Brause: Nun, das bedarf einer gründlichen Analyse. Ich habe mich eingehend mit dieser Frage beschäftigt, den Namen etymologisch untersucht und Literatur gewälzt. Wie schrieb schon Friedrich Schiller in seiner Ballade „Der Taucher“? „Und hohler und hohler hört man’s heulen,... Und es wallet und siedet und brauset und zischt”…

Edelfedern: Wie bitte…?

Brause: …Gut, es wird viel banaler sein. Brause ist einfach ein putziger Name, das „B“ steht sehr weit vorne im Alphabet. Wahrscheinlich stand mal irgendein lustiger Zeitgenosse unter der Dusche, die Brause in der Hand, den warmen Schwall auf den Körper gerichtet. Daran muss er sich bei seinem nächsten Vortrag erinnert haben, und als sein Redeschwall stockte, purzelte mein Name heraus.

Edelfedern: Sie klingen verbittert. Das Schicksal hat Ihnen eine gewisse Prominenz beschert, daraus muss sich doch mehr machen lassen, als sich in Zynismus zu flüchten.

Brause: Sehen Sie, ich brauche noch etwas Zeit. Natürlich ist ein schlechtes Image besser als gar keines, ich werde immerhin öffentlich wahrgenommen. Mir geht aber noch die Souveränität ab. Wenn mir einer blöd kommt reagiere ich schnell aufbrausend. Damit spiele ich den Spöttern natürlich in die Karten. Aber ich lerne auch aus meinen Fehlern.

Edelfedern: Für einen Mann, der sich noch vor kurzem mit Suizidgedanken trug, wirken sie erstaunlich gefestigt. Was darf man von Ihnen in Zukunft erwarten?

Brause: Ich habe gelernt, wie die Medien funktionieren. Ich habe es schmerzhaft erfahren, am eigenen Leib. Diese Erfahrung nimmt mir keiner, ebenso wie die Wut auf das Mediensystem. Es sind doch Leute wie Sie, die sich auf Einzelschicksale stürzen und Peinlichkeiten mit Genuss breittreten…

Edelfedern: …mit Verlaub, wir sind Edelfedern…

Brause:…daher habe ich beschlossen, mich als PR-Berater selbstständig zu machen. Je schwärzer, desto besser. Ich werde Ihnen einen Bären nach dem anderen aufbinden. Ekelfedern, jawohl, das sind Sie. Während Sie sich auf Ihren Lorbeeren ausruhen…

Edelfedern: Man ruht sich nicht auf Beeren aus.

Brause: …werde ich das System infiltrieren. Bei jeder Zeile, die Sie tippen werden, werden Sie sich in Zukunft fragen müssen, ob nicht der Brause dahintersteckt. Das können Sie ruhig als Drohung auffassen, meine Herren Ekelfedern.

Edelfedern: An der Universität Mainz wird ein PR-Studiengang eingerichtet werden. Ihr Name wird immer wieder mit dem Lehrstuhl in Zusammenhang gebracht.

Brause: Das ist eine Option. So könnte ich die Wirkung meiner Arbeit potenzieren und meine Saat über das ganze Land verteilen. Ich möchte gerne noch einmal das Bild der Duschbrause bemühen. Ich werde der Kopf sein. Und sie, meine Herren Ekelfedern, die begossenen Pudel.

Edelfedern: Herr Krause, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


Dienstag, 26. Dezember 2006

Der menschliche Ekel – Versuch einer Gesellschaftskritik

.

An einem kalten Dezemberabend fliehe ich. Ich fliehe vor der weihnachtlichen Fratze der Mainzer Innenstadt. Doch ich bin in der Hölle gelandet: Dem Weihnachtsmarkt, der schon Markt war als Ralf noch Peterhanwar.

Da sind die Kinder. Feist, mit glänzenden Augen, tropfenden Nasen und in dicke Jacken verpackt starren sie mich an. Mit ihren gefüllten Backen, in ihrer dümmlich-verklärten Mimik ähneln sie Hamstern, deren Lebensinhalt es ist, gefüttert zu werden und im Käfigrad ihre Runden zu drehen. Der Käfig ist der Markt, ist die Gesellschaft; die weihnachtlichen Rituale, die stete Wiederholung, die demonstrative Glücklichkeit, das Streben nach Anerkennung sind das Rad. Das Rad des Lebens.

Da ist die Jugend. In kollektivem Glühweinrausch rühmt sie sich, regelmäßig alkoholischen Genüssen zu frönen, verkündet laut grunzend primitive Gossenprosa und hofft dabei, beim jeweils anderen Geschlecht zu punkten. Deutschlands Zukunft ertränkt sich in warmem, zimt- und nelkengeschwängertem Rebensaft auf der Suche nach ihrer Identität in einer Welt des Konsums, des Vergleichs, der Einsamkeit unter Menschen, der Hoffnung, immer einen Euro mehr in der Tasche zu haben als die vermeintlichen Freunde. Annäherung, Verbrüderung finden statt – auf niedrigem Niveau, man ist noch jung.

Da sind die Erwachsenen. Sie haben bereits kapituliert – bewusst oder nicht. Weihnachtszeit heißt für sie glücklich zu scheinen, heißt der Aufnahme von Essen und Getränk stets freudig Vorrang zu gewähren, sich von innen wärmen, wenn es draußen kalt ist, am Jahresende vor anderen das Resümee zu ziehen, dass es einem eigentlich schon ganz gut gehe, man recht erfolgreich sei und doch eigentlich alles richtig gemacht habe. „Ganz“, „recht“, „eigentlich“ - innen sieht es oft anders aus, doch wer will diese Tür noch aufsperren? Es gilt, den Freunden, Kollegen, Ehepartnern zu demonstrieren, dass es sich lohnt, zusammen zu sein, man ist es wert, man hat Geld und Geist, man ist besonders.

Ich schaue links: Würste schieben sich unter breite Oberlippenbärte, der Senf quillt hervor; ich schaue rechts: Glühwein wird gierig in lippenstiftumrandete Münder geschüttet, eine paar Schlücke gehen daneben, „uups ich bin ja schon beschwipst“; ich schaue nach vorne als ein junges Mädchen mit langem blonden Haar damit prahlt, erst gestern wieder total voll gewesen zu sein – mit Bier, heute ist es glühender Wein; ich schaue nach hinten und sehe ungeheure Menschenmassen, die sich durch schmale Gassen drängen, um dem Konsum Anheim zu fallen – die Bereitschaft ist uneingeschränkt, es ist Weihnachtszeit.

Da bin ich. Trotz all des Ekels, der mich überfällt, merke ich, dass ich ein Teil dieser Masse bin. Ich versuche mich zu sträuben, zu erkennen, zu analysieren, mich zu entziehen. Und doch schaffen es manche Gerüche, das Wasser in meinem Munde zum fließen zu bringen.

Ich bin ein Tier, ich bin ein Mensch.

Ich bleibe hart, jetzt schnell gehen: Ich treffe Freunde. Na, wie geht’s? Ja, doch recht gut. Kann eigentlich nicht klagen. Na, trinken wir zusammen nen Glühwein? Ach, nun ja…ok. Noch einen? Äääh, ja. Den Würsten dieser weihnachtlichen Welt kann ich mich dann trotzdem widersetzen, ich will noch in den Spiegel schauen können, ich habe Prinzipien, ich bin kein Herdentier, -mensch. Auf dem Heimweg kommen die Dönerbuden: Ich kehre ein, verabscheue mich selbst und beiße zu.

Frohe Weihnachten.


Kloppo der Gefiederte

Das Bier in mir

.
Eine Reminiszenz an zwei Dinge, die mich geprägt haben: Matthias Reim und edler Gerstensaft...


Ich zieh durch Mainzer Straßen bis nach Mitternacht
Der Suff, der hat mich angelacht, Milch brauch ich dafür nicht
Ich liege noch im Eisgrub vor mir ein Turm Bier
Ich war schon vor 4 Stunden hier – das macht mir, macht mir nichts

Gegenüber sitzt n’Typ wie’n Wolff
Ich stell mir vor, das wäre der Turbo-Rolf
Das juckt mich überhaupt nicht

Ich trink 10 Schlücke, krieche auf ihn zu
Und hauch ihn an: Rolfi bist es du?
Er sagt nur: Ich heiße Volker
Und ich trink dann doch lieber nur für mich


Verdammt, schon zahlen? Ich zahl jetzt nicht!
Verdammt, schon gehen? Ich geh jetzt nicht!
Verdammt, schon kotzen? Ich kotz jetzt nicht!
Ich will noch mal zwei Bier!


So langsam fällt mir alles wieder ein
Ich wollt nur schreiben & edle Feder sein, jetzt bin ich’s oder nicht

Askese passte nicht in meine Welt
Ich hab mir lieber Bier bestellt – ich glaub das einfach nicht!

Gegenüber liegt ein Magazin, ich nipp am Bier: das riecht nach Urin
Ich rülpse, schreibe aber nicht

Sieben Bier, zuviel geraucht, das ist es was ein Journalist so braucht
Doch ich höre, höre dann nicht auf
Und ich denke schon wieder nur an Bier!


Verdammt, schon zahlen? Ich zahl jetzt nicht!
Verdammt, schon gehen? Ich geh jetzt nicht!
Verdammt, schon kotzen? Ich kotz jetzt nicht!
Ich will noch mal zwei Bier! (3x wiederholen)


Kloppo der Gefiederte

Donnerstag, 7. Dezember 2006

Die Pulitzei warnt

.
.
Im gesamten deutschen Sprachraum sind überflüssige Adjektive unterwegs. Wie ein Pulitzeisprecher am Mittwoch in Dudendorf mitteilte, wurde umgehend eine Rastafahndung eingeleitet. Die Gesuchten seien durchtrieben, hinterlistig, aalglatt und brutal – um nur einige zu nennen. Zur zeitnahen Erfassung der Flüchtigen setzt die Pulitzei mehrere Hundertschaften starker Verben ein.

Auf Betreiben des Ministeriums für Satzsicherheit wurden zudem an neuralgischen Punkten äußerst präzise Substantive platziert. „Damit sind wir in der Lage, Adjektive selbst drei Nebensätze weiter derart zu schwächen, dass sie dem nächstbesten Rotstift zum Opfer fallen oder vom Wolff gerissen werden“, sagte Ralf-Peter Cocktrue, Leiter des Sondersatzbaukommandos.

Dennoch ist völlig offen, ob jemals alle vermeintlichen Schädlinge zur Strecke gebracht werden können, da diese häufig ihren Aggregatzustand wechseln. Fest, gasförmig, flüssig, ja, manchmal sogar überflüssig – all das sind Adjektive. Hardliner monieren, sie brächten den Lesefluss gänzlich zum versiegen; Schöngeister dagegen glauben fest daran, dass Adjektive besagtem Fluss ständig neue Wendungen eröffnen und dahinplätschernde Manuskripte in mitreißende Pamphlete verwandeln können, da sie, aus der richtigen Feder geflossen, letztlich nur eines sind: edel.
.

Federmichl

Mittwoch, 6. Dezember 2006

Hin - und wieder zurück

. .
Edelfedern sind die Großen, die ganz Großen, die Götter im Journalistenolymp des Herrn. Die, die sich wochenlang durch Aktenberge von 12 Metern Höhe kämpfen, um gefälschte Ertragszahlen irgendwelcher Firmen zu enthüllen. Die, die selbst dann noch die alte Rechtschreibung benutzten, wenn sogar in Frankfurt niemand mehr weiß, dass dass mal daß geschrieben wurde. Die, die – am Scheideweg stehend – ihre Alternativen berechnen und nicht ihre Möglichkeiten.

Ihr seht: Edelfedern sind die Elite unter der Elite. Sie machen das, was wir hier auch machen – nur ganz offiziell. Und damit wir alle einmal auch genau diesen Punkt erreichen, studieren wir ja hier seit einigen Wochen. Und was haben wir in dieser Zeit gelernt? Dass Schreiben angeblich Askese ist und das bedeutet, dass ein guter Zeitungssatz aus Subjekt + Prädikat besteht – und an guten Tagen vielleicht auch noch ein Objekt Erfüllungsgehilfe spielen darf. So schreiben konnte man spätestens in der dritten Klasse, d.h. zehn weitere Jahre Schule waren vollkommen umsonst. Zum Glück gibt es ja einen stets aktuellen Böse-Worte-Index, der dafür sorgt, dass vokabulartechnisch gar nicht der Raum für mehr da ist.


Der bleibt allerdings für die Erkenntnis: Um eine Edelfeder zu werden, darf man auf gar keinen Fall eine sein! Trösten wir uns also damit, dass es ja erstens Seiten gibt wie diese hier, auf denen ich „ich“ schreiben darf, so oft ich will, auf denen es niemanden interessiert, ob der Ertrag einer Firma absinkt, den Höhenflug fortsetzt oder aber zumindest wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist und auf der es als schlechten Stil angesehen wird, wenn in einem Beitrag nicht mindestens ein Satz mehr als 100 Wörter enthält. Außerdem hat das Studium ja vielleicht doch erst begonnen und alles, was wir bis jetzt erleben durften, ist nur eins: Die Spitze des Eisbergs!

Die Reise des Als

.

Ja guden Dach Brause hier am Apparat... klick.... tuutuut..

Als eines ruhigen Abends das Sommermärchen nur 37 mal 60 Sekunden entfernt schon über den Horizont der vierten Dimension lugte, machte sich ein einsamer Rheinhessischer Als-Satz auf, sich zu plustern und zu pudern, sich zu entsinnen, was Deutschlehrer ihm einst mit erhobenem Zeigefinger an Tugenden mit auf den Weg gegeben, abzuschütteln, was ihm jüngst an berufsethischen und sorgfaltspflichterfüllenden Merksätzen indoktriniert wurde; Monster, die sich ihm in Weg zu stellen versuchten, nicht wegzuredigieren und erst recht nicht weg zu redigieren, sondern mitzunehmen auf seine Reise, die erfüllt sein sollte von standhafter Standhaftigkeit, von druchtriebenen Durchhalteparolen, und pathetischem Pathos, so hetzte ein Komma das nächste, ein Punkt war nicht in Sicht, und Bastian Sick hätte, hätte er davon gewusst gehabt, in des Wollfens Klagelied herzzereißend mit eingestimmt.

Punkt, puh. Der Als-Satz gönnte sich ein Verschnaufspäuschen, der hektische Alltag umwuselte seine Oase der Ruhe. Punkt. Absatz. Information. Wichtig, neu und aktuell. Die Korrektheit dieser Welt suhlte sich in ihrer Rastlosigkeit und der Als-Satz merkte, dass er hier nicht hingehörte, die feindselige Atmosphäre machte ihn ganz betroffen, er verzehrte sich nach einem verschachtelten Nebensatz, an dessen Anfang, der ohne Szene und Schleppsatz schlapp daherkam, dem Leser, der immer älter wurde, nicht mit Lokalkolorit umsäuselte, ihm nicht die Ws – in ihrer Wichtigkeit ohnehin weit überschätzt – mit schlagbohrartiger Präzision einlötete, sondern der sanft entschlummerte in eine Dimension des Vergessens des Anfangs des Satzes dieser Geschichte.

Und als es soweit gekommen war, die Erkenntnis ihren Weg in des Als-Sätzchens Bewusstsein sich geschaufelt hatte, schnaufte der Als-Satz einmal tief durch, nahm sein Mobiltelefon und wählte die Nummer seines besten Freundes, dem guten alten Rasta, yo.

Dolch welch Graus, der hatte keine Zeit, die Tagesschau ging los.

Über Rastas, Bettnässer und die soziale Käthe

.

...
Es gibt eine kleine Welt, in der all die Dinge, Personen, Kreaturen, Situationen und Begebenheiten, kurz: Entitäten, einen Platz finden, denen in der realen Welt sozusagen ein Missverständnis widerfahren ist. Diese Welt wird auch die „Parallelwelt der falsch verstandenen Worte und Sätze“ genannt. Sei es, dass diese Worte oder Sätze in der realen Welt bewusst falsch verstanden wurden, dass sie der schlechten Akustik des Raumes zum Opfer fielen, dass Personen sie bewusst oder unbewusst falsch aussprachen oder, dass sie einfach nur der Spinnerei eines dilettantischen Spaßmachers, eines intellektuellen Wortakrobaten oder eines unsicheren Dummschwätzers entsprangen, sie enden alle in der Parallelwelt der falsch verstandenen Worte und Sätze.

Dort erwachen die Entitäten zum Leben. Doch sie fristen nun ein ausgesprochen leidiges Dasein, denn sie versuchen, ihren eigentlichen Sinn, ihre eigentliche Identität, ihre eigentliche Bestimmung wiederzugewinnen, indem sie ihrer wahren Identität folgend, ihrem Ruf der realen Welt gerecht werden wollen, um in diese zurückkehren zu können.

An manchen Tagen, insbesondere dann, wenn wieder einer der Begriffe fällt, die doch einst der Grund der Erschaffung eines dieser leidvollen Geschöpfe waren, begebe ich mich in die Parallelwelt der falsch verstandenen Worte und Sätze.

Dort Treffe ich auf die soziale Käthe, die, ob ihres Namens, eine umgängliche, ja liebenswerte Person sein müsste, ihrer angestrebten, im Grunde immanenten Identität folgend, aber nur Unheil, Bedrohung, Unrecht, Isolation und Zwietracht unter die Bewohner der Parallelwelt bringt.

Die Bettnässer, mit denen man eigentlich Mitleid haben möchte, verhalten sich keineswegs zurückhaltend, scheu und nervös, nein, sie zerren und trennen, sie sperren und flennen, sie zehren und trotzen, sie wehren und motzen, sie haken und stören, sie makeln und röhren.

Nur dem Rasta, der mir breit grinsend entgegen schlurft und meine Hand nimmt, um mich in dieser Welt umherzuführen, scheint es hier ziemlich gut zu gehen: Er hat sich dermaßen die Birne weggekifft, dass er nicht mehr weiß, wer oder was er in der realen Welt einmal war.



Dienstag, 28. November 2006

Der Wolff – Gibt’s doch gar nicht (flotte Spreche)

.

.
In Reminiszenz an den Wolf, einen talentfreien Wortakrobaten, der dennoch zu Unrecht in der Versenkung verschwunden ist. Was ihm fehlte, war ein Partner, der ihm sprachlich auf die Sprünge hilft und für den großen Auftritt wie geschaffen ist. Als Wolf & Wolff hätten sie Klaus & Klaus alt aussehen lassen. Mad props to my men.


Ich steh' im Domus und denke: "Gibt's doch gar nicht!,
warn' die Studis eigentlich schon immer so tranig?"

Ich hab's satt immer der Showman zu sein,
der auf Euch zugeht, greift mal in die Schachtel rein.

Ich lass' es einfach sein auf Euch zuzugehen,
das fällt mir gar nicht leicht, doch ihr müsst mich verstehen.

Ich mach' mich doch nicht zum Affen, ihr müsstet das doch raffen,
auch ohne zu paffen unterscheid' ich mich von all' den Laffen.

Doch o.k., ich muss der Studentenwelt eines zugestehen,
die meisten Männer sind der Renner, das hab' ich auch gesehen.

Da kann man auch verstehen, warum die Frauen sich so benehmen,
warum sie in der Ecke stehen, anstatt am Laptop zu kleben.

So geht's nicht weiter, es wird Zeit dass damit Schluss ist,
schaut den Kerls doch ma' zu, dann weißt du wasn’ Opus ist.

Ich zeige dir was Lust ist, zeige Dir was Genuss ist,
zerpflücke einen von den Kerls, der zeigt dir dann was Frust ist.

Doch ich fürchte, ich bin nur ein Tropfen auf das heiße Bein,
es müssten viel mehr Männer ultimative Schreiber sein.

Doch egal, die Frau geht, sie ist nicht irgendwer,
warum konnt sich nicht zu mir? Da muss ein Schleppsatz her!



Chorus: (die ganze Crew und Lou)
Gibt's doch gar nicht... Was soll ich sagen?... Ist das zu fassen?




Ich sitz im Audi fahr nach Haus und denke: "Gibt's doch gar nicht":
Eine Nacht in Mainz? Keine Frage die spar' ich mir,

und das bei dem Service, da gibt’s noch nicht mal Kölsches.

Kriegt man dann doch mal eins, dann weiß man nicht mal welches.

Wie schon gesagt, ich bleib einfach nicht,

schlecht ist dann natürlich, wenn die Hinterachse bricht.

Darf ich die Papiere 'mal sehen, guter Mann?"

Der Wagen gehört meiner Frau, Oh Shit, jetzt bin ich dran!

Besser doch zurück nach Mainz, bloß nichts wie fort hier,

dann mach ich eben schnell den rasenden Reporter.

Zurück im Seminar erstmal dpa gecheckt,

da steht es ja auch schon, Wolffs Wagen ist verreckt.

Doch hat der Typ im Stress wohl den Hintergrund vergessen,

und nicht mal ein Zitat, das ist schon sehr vermessen,

wie 'n Unterkursler, Oh Mann, wie unangenehm

sowas passiert Tag für Tag, das ist das Problem.

So schwer ist das doch nicht, es sind nur 60 Zeilen,

Lead, Detail, Hintergrund – der Kerl wird’s nie peilen.

Nur eine Woche später, ne E-Mail in mei’m Postfach.

PR von nem Verband, die nennen sich „Pro Flachdach“ - "das gibt's doch gar nicht!"



Chorus: (die ganze Crew und Lou)
Gibt's doch gar nicht... Was soll ich sagen?... Ist das zu fassen?



Ich gehe raus und denke: "Nun mal ehrlich".
Guck' mir den AZ-Titel an und frag' mich, wozu lehr ich?

Ob Regenwaldabholzung, Atomkraft, Ozonloch

in der Nordsee Bohrinseln und was weiß ich sonst noch,

kurz gesagt, "ganz schlechte Schreibe",

schneid dir nix von ab, nicht mal ne kleine Scheibe.

Was soll ich sagen, man darf nicht vergessen,

so ist’s in der Provinz, wir sind hier in Rheinhessen.

Was ich damit sagen will: "Wie sollte ich’s vermeiden?",

Vor gut 10 Jahren war ich noch einer von den Schreibern,

die gute alte Schule, täglich mit vollem Einsatz,

Journalismus war Passion, es gab sogar noch Bleisatz.

Dann wollte ich nicht mehr den Brüllaffen machen,

lieber die von morgen formen, da hab ich mehr zu lachen.

Also, was könnt' ich noch mehr tun, frag' ich Euch?

Bei mir kriegt die junge Garde journalistisch’ Handwerkszeug.

Was ihr damit anfangt, was Ihr damit macht?

Hey, das is’ euer Ding, ab jetzt wird selbst gedacht!

Wie auch immer, ich geh' raus freu' mich über das Sonnenlicht,

Frau Ferrari fährt nen Golf – das gibt's doch gar nicht.



Federmichl

Sonntag, 26. November 2006

Geteert und gefedert

.

.

.

Tauchet ein, in das Tintenfass der Aufklärung, tränket eure Feder mit Herzblut, auf dass es das tiefe Schwarz erhelle und eure Seele mit einfließe. In unserer Welt sagt ein Wort mehr als tausend Bilder, auf dass auch der letzte Schmock, der glaubt, dass ohne BILD nichts geht, verstehen möge, womit die edlen Federn ihre Fehden austragen. Alles ist im Fluss, nichts wird durch den Wolf gedreht; was steht, das steht.

Dies ist das Refugium der gefiederten Freunde, die sich – tagaus, tagein geteert und gefedert – in ungeahnte Höhen emporschreiben. Die Welt treibt als blauer Riese unter uns, ist Spielball unserer Fantasie, dreht sich, wie es uns gefällt. Wir lassen, Sternschnuppen gleich, Gedanken im Kopf des Lesers aufblitzen, die zwar schnell verglühen mögen, sich aber in sein Herz einbrennen.

Nur wer bereit ist, sich selbst mit Distanz zu betrachten, sich frei macht, wird sein Innerstes entdecken. Dort steht nicht viel, doch das Wesentliche, in großen Lettern mühsam gesetzt durch Schicksal und Erfahrungen, Gespräche und Gezanke, Getränke und Gewanke. Was immer dort steht, lieber Leser, ist weder straffer Bericht noch kryptisches Gedicht: Es ist dein eigenes Ich. Möge es edel sein.


Federmichl

Prolog oder: Eine Umleitungsempfehlung



Studierzimmer. Berge von Papier auf dem Boden, halbfertige Manuskripte, Zeitungen, aufgeschlagene Bücher: Sorgfältige Unordnung. Ein offenes Fenster, grelles Licht, Straßenlärm dröhnt von unten hinauf. Graph Feder sitzt am Schreibtisch, rezitiert laut seine Ansprache:


A ticket costs only your mind


- Weezer -


An alle Freunde des geschriebenen und gesprochenen Wortes,


tretet ein in eine Welt der Hoffnung und der Leidenschaft, des Schöngeists und der Phantasie, in eine Welt der versteckten und offenen Anspielungen, in eine Welt, in der Monstersätze nicht verpönt, sondern erwünscht sind, eine Welt, in der noch Gleichberechtigung zwischen den Satzzeichen, zwischen Komma, Punkt und Semikolon herrscht, eine Welt, die schwachen Adjektiven eine Chance gibt gegen starke Verben.


Schon ist sie da, die verlockende Versuchung, einzutreten in diese Welt; sie nimmt Euch an die Hand, spielt mit Eurem Verstand, schaltet ihn mal ein, mal aus, doch Ihr habt die freie Entscheidung: Denn auf dem gelb unterlegten Schild steht nicht etwa „Umleitung“, sondern „Umleitungsempfehlung“.


So entscheidet Euch und lasset Euch um-leiten, doch seid bewusst Euch der Verführung, die versteckt ist in der ein oder anderen


Spitze. Des Eisbergs


größter Teil liegt bekanntlich immer unter der Oberfläche des Wassers. So ist die Ladung Humor meistens, doch nicht immer, eine


geballte. Faust


hatte recht: Die Wissenschaft ist weit davon entfernt zu erklären, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, doch auch die Edlen Federn müssen passen, bleibt ihnen doch der Sinn verborgen. Doch ihn zu umschreiben und zu deuten haben sie sich zur Aufgabe gemacht. Viel Spaß und gute Unterhaltung wünscht Euch


Graph Feder



Samstag, 25. November 2006

Eine Ode an die Feder



Edle Federn dieser Welt!


Meine Augen pulsieren vor Entzücken, meine Finger zittern über das Tastenbrett, mein Herz jubiliert angesichts der sich hier bietenden Möglichkeiten! Eine Idee, geboren in Wein, Bier und Schnaps, hat sich ihren Weg in die Realität des weltweiten Netzes gebahnt. Dank Federführung des Federmichl ist es nun möglich, dem Unerlaubten, dem Tabuisierten, dem von höchster Stelle Geächteten zu frönen. Nicht der flotten Schreibe, nein, das wäre dilettantisch, kennzeichnend für den Bodensatz des schreibenden Amateurproletariats, das sich selbst verklärend zur publizierenden Güteklasse A zählt!


Diese Plattform wurde errichtet für die Jünger der Edelfeder, denen kein Satz zu verschachtelt, kein Bild zu wild, keine Syntax zu abenteuerlich und kein Wort zu gewagt ist. Länge bedeutet Macht, Wortspiel bedeutet Leben; Standard und sterilisierte Knappheit bedeuten den Tod der Individualität und des stilistischen Abenteuers!


Mit geballter Faust gegen die soziale Kälte der vorherrschenden Lehrmeinung angehend und in der Hoffnung, dass diese ersten Einträge nur die Spitze des Eisberges der kreativen Selbstverwirklichung auf dem Weg zur Edelfeder im Sinne eines Alexander Osang sein mögen, gebe ich hiermit auch von meiner Seite grünes Licht für große Worte aus edlen Federn!


Wörterschmiede dieser Welt vereinigt euch und lasst eure sprachgewaltigen Hämmer auf den Amboss der edlen Schreibe niedersausen, um die dogmatischen Ketten der journalistischen Lehre zu zerschmettern!



Kloppo der Gefiederte.